Montag, 24. November 2014

Telemedizin revolutioniert das Gesundheitswesen

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Wenn der Arzt per Knopfdruck erreichbar ist


Die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt verlangen nach neuen Lösungen, um die Gesundheitsversorgung weiter aufrechtzuerhalten und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben. Telemedizinische Ansätze, wie sie in anderen Ländern bereits gang und gäbe sind, sollen nun auch in Deutschland die stetig steigenden Ausgaben des Gesundheitswesens entlasten.

Telemedizin ist mehr als nur Ferndiagnostik


Hauptschwerpunkt der Telemedizin ist die Ferndiagnostik und –therapie zwischen Arzt und Patient, beziehungsweise eine Befundung zwischen zwei sich konsultierenden Ärzten mit dem Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern und Probleme in der Behandlung schneller zu erkennen. Auch in der Kommunikation zwischen Patient und Apotheker findet die Telemedizin Ansatzpunkte.

Durch Einsatz IT-basierter Technik werden medizinische Daten und Informationen verarbeitet und genutzt. Vor allem audiovisuelle Kommunikationstechnologien kommen in der Telemedizin zum Einsatz, um Diagnostik, Konsultation und medizinische Notfalldienste raumübergreifend zu gewährleisten. Bereits jetzt können dadurch die Hospitalisierungsraten chronisch kranker Patienten reduziert werden. Dabei ist das Potenzial der Telemedizin noch längst nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil: Der Wirtschaftssektor eHealth steht in Deutschland erst am Anfang. Gerade plant die Politik ein eHealth-Gesetz, um neuen Anwendungen den Weg zu ebnen.

Vor allem für chronisch kranke Menschen kann die Telemedizin ein Segen sein. Regelmäßige Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte sind belastend und der Weg in die Einrichtungen – besonders auf dem Land – oft weit. Zu Hause ein möglichst normales Leben zu führen, mit der Sicherheit im Notfall Hilfe zu bekommen, ist der Wunsch vieler Patienten.

Verschiedene Beispiele zeigen, welches Potenzial in der Telemedizin steckt. Zwei Projekte möchten wir näher vorstellen.

Beispiel „FONTANE“: Telemedizinische Versorgung im ländlichen Raum


Wie Telemedizin funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „FONTANE“, das Patienten mit Herzinsuffizienz im ländlichen Raum betreut. Die Studie überprüft die Evidenz eines Telemedizinansatzes zur Verbesserung der Betreuungsqualität im strukturschwachen Nordbrandenburg durch Sektoren übergreifenden Einsatz moderner Informationstechnologien und biomarkerbasierter Diagnostik- und Therapiesteuerung.

Hat ein Klient plötzlich auftretende Herzprobleme, wendet er sich an sein Telemedizinzentrum (TMZ), das anhand der elektronischen Krankenakte sowie den ständig aufgezeichneten und übermittelten Vitalwerten entscheidet, welche medizinischen Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Unabhängig davon überprüft das Personal anhand der gesendeten Parameter den Gesundheitszustand. Wenn etwas nicht stimmt, informiert das TMZ den Patient und leitet Notfallmaßnahmen ein. Auf diese Weise können auffällige Befunde frühzeitig erkannt und behandelt werden. Die gewonnenen Daten werden per Bluetooth an das PhysioGate übertragen, das die Werte über Mobilfunk weiter an das Telemedizinzentrum sendet.

Das Projekt versucht den Nachweis zu erbringen, dass Telemedizin vor allem in strukturschwachen Regionen zur Verbesserung der Versorgung führt. Dabei ist es notwendig, die telemedizinische Betreuung in bestehende Versorgungsstrukturen zu integrieren.




Beispiel „CCS Telehealth Ostsachsen“: Medizinische Versorgung in infrastrukturell schwacher Region


Im März 2014 startete Deutschlands größtes Telemedizin-Projekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ mit dem Ziel, mittels eHealth den strukturschwachen Bereich im Osten der Republik zu unterstützen. Die Hälfte der technischen und medizinischen Vorbereitungen ist bereits abgeschlossen. An den beteiligten Kliniken haben medizinische Teams ihre Arbeit aufgenommen, Behandlungspfade und Betreuungskonzepte wurden implementiert. Zudem werden Casemanager und Telenurses für das System geschult und Patienten für die Pilotphase ausgewählt, die im Mai kommenden Jahres beginnt. Ab Juli 2015 soll „Telehealth Ostsachsen“ online gehen.

Drei Beispielanwendungen werden zunächst auf der Plattform implementiert. „Telecoaching“ (Behandlung von Herzinsuffizienz), „Tele-Stroke“ (Schlaganfall-Nachsorge) und „Telepathologie“ (Zweitbefundung von Gewebeproben) nutzen die Infrastruktur auf unterschiedliche Weise und zeigen die Bandbreite des künftigen Versorgungsprojektes. Weitere Anwendungsbeispiele aus den verschiedensten medizinischen Fachgebieten sollen folgen.

Das Projekt wurde mit den Zielen ins Leben gerufen, eine offene Plattform zur Nutzung telemedizinischer Anwendungen zu schaffen, eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Patienten zu erreichen und eine breite Vernetzung in der Gesundheitsregion Ostsachsens zu gewährleisten.

Neben Voice over IP Telefonie, internen Nachrichten und Videotelefonie bietet die Plattform Unterstützung bei telemedizinischen Arbeitsprozessen.
Gemeinsame Standards, einheitliche Zertifizierungsverfahren und die für alle bindende IT-Infrastruktur bilden die Arbeitsbasis. So wird die ungehinderte Kommunikation zwischen Patienten, Therapeuten, Ärzten und Krankenhäusern gewährleistet.
Das innovative und in Europa einzigartige Projekt gewährleistet eine offene und erweiterbare Telemedizin-Infrastruktur für Krankenhäuser und ambulante Praxen in der Region.

Studie belegt: Telemedizin erhöht Überlebenswahrscheinlichkeit für herzschwache Patienten


Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald zum Telemedizin-Projekt „AOK-Curaplan Herz Plus“ belegt, haben Patienten mit Herzinsuffizienz, die via Telemedizin betreut werden, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, als diejenigen, die auf herkömmliche Weise behandelt werden. Das bestätigte der Ein-Jahres-Check genauso, wie die Sensitivitätsanalyse nach zwei Jahren.

Die Studie untersuchte das Überleben und die Behandlungskosten von über 5.000 Patienten mit Herzschwäche. Dabei verglichen die Forscher 1.943 Personen aus dem telemedizinischen Programm mit 3.719 Nichtteilnehmern. Beide Gruppen wiesen zu Beginn der Analyse die gleichen Voraussetzungen auf, was beispielsweise den Schweregrad der Krankheit, Alter und Geschlecht betraf.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten, die über Telemedizin betreut werden, war um bis zu 70 Prozent höher.

Zu dem Behandlungsnutzen kommen auch entscheidende Kostenvorteile hinzu. Mehr als 1.100 Euro pro Patient und Jahr können durch telemedizinische Maßnahmen eingespart werden. Im ländlichen Raum fiel dieser Effekt deutlich höher aus, als im städtischen. Die Einspareffekte liegen zum Teil deutlich über den Programmkosten.

Technisch ist vieles möglich


Verschiedene Apps für Mobiltelefone unterstützen den Patienten bereits heute in der Kommunikation mit seinem Arzt, indem sie regelmäßig Vitalwerte via Smartphone erfassen und an den Mediziner weiterleiten. Je nach eHealth-Anwendungsform wird der Mensch stärker in den medizinischen Prozess eingebunden.

Auch die Begutachtung des Patienten per Video auf dem einen Bildschirm, während der andere Monitor plastische MRT-Bilder von dessen Organen und die letzten Blutwerte anzeigt, die per Datenleitung parallel zur Befundung bereitstehen, ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Technik und Know-how sind vorhanden – was fehlt, ist der gesetzliche Rahmen.

Doch was hilft das Sammeln von Daten oder der elektronische Arztbrief aus der Klinik, wenn der Empfänger die Ergebnisse nicht lesen und nutzen kann? IT-Inseln helfen niemandem. Deshalb müssen einheitliche Regeln und Standards geschaffen werden, damit individuell entwickelte Softwareprogramme mit anderen kommunizieren können. Das Zauberwort heißt „technische Interoperabilität“.

Sie haben Fragen zum Thema Telemedizin? Treten Sie mit uns in Kontakt.

Montag, 10. November 2014

Movingo: Gemeinsam fitter werden

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Wie Gamification dem inneren Schweinehund auf die Sprünge hilft


„Was du heute kannst besorgen, das…“ und so weiter und so fort.

Jeder kennt ihn, jeder hat ihn – den inneren Schweinehund. Wenn er allzu hartnäckig ist, geraten gute Vorsätze schnell ins Wanken oder werden mitunter auch komplett gestrichen. Die Bezeichnung „innerer Schweinehund“ ist eine bildhafte Umschreibung der eigenen Willensschwäche, die jemanden daran hindert, eine oft unliebsame Tätigkeit in Angriff zu nehmen. Egal ob man sich vornimmt, mit dem Rauchen aufzuhören, regelmäßig joggen zu gehen oder seinen Schokoladenkonsum einzuschränken. Wenn der innere Schweinehund etwas dagegen hat, ist von Selbstdisziplin nichts mehr zu spüren und das kleine biestige Tier gewinnt die Oberhand.

Gamification und sozialer Wettbewerb


Wie kann man seinen inneren Schweinehund am besten überwinden? Das Zauberwort heißt „Gamification“. Durch Einsatz spieltypischer Elemente wie Regeln, Punkte und Preise, sollen persönliche Verhaltensweisen positiv beeinflusst und die Motivation gesteigert werden. Ziel ist es, auf Basis eines Wetteinsatzes, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.
Gamification hilft dabei, eine „Ich muss-Einstellung“ in eine „Ich will-Einstellung“ umzuwandeln. Erreicht der Teilnehmer sein Ziel innerhalb einer vorgegebenen Zeit nicht, ist die Challenge verloren und der Wetteinsatz fällig. Neben Motivation und Fähigkeit ist die Aussicht auf Belohnung (Spaß am Spiel, Ansehen in der Gruppe etc.) ausschlaggebend, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Gamification funktioniert dann, wenn Menschen durch den äußern Ansporn etwas tun, was sie sonst nicht oder nur widerwillig tun würden. Der Wettbewerbsfaktor, gepaart mit der sozialen Komponente, animiert die Teilnehmer, am Ball zu bleiben.

Gamification und Sport – die perfekte Symbiose


Gerade im Sportbereich haben Gamification-Projekte hohe Anknüpfungspunkte, da der innere Schweinehund nur allzu oft die geplante Trainingseinheit torpediert. Werden jedoch Trainingsfortschritte in der Gruppe geteilt und mit anderen verglichen, entsteht ein Konkurrenzdruck, der den Nutzer anspornt, weiter zu machen. Das direkte Feedback von Gruppenmitgliedern steigert die Motivation zusätzlich.

Movingo treibt den inneren Schweinehund an



Die symeda GmbH aus Braunschweig macht mit ihrer neuen Internetplattform www.movingo.de dem inneren Schweinehund Beine. Mit viel Herzblut und in mühevoller Kleinarbeit haben wir eine Seite entwickelt, mit deren Hilfe man gute Vorsätze in die Tat umsetzen kann. Egal ob es ums Sporttreiben, Entspannen oder die gesunde Ernährung geht. Movingo hilft dem User, sein Vorhaben zu erreichen und dauerhaft am Ball zu bleiben.


Movingo hat das Ziel, eine Million Menschen zu motivieren, etwas für sich selbst zu tun. Es ist wissenschaftlich belegt, dass 70 Prozent aller Krankheiten auf den eigenen Lebensstil zurückzuführen sind. Viele brauchen einfach die äußere Motivation, um ein Vorhaben in Angriff zu nehmen.
Setzt man es dann aber zehn Wochen regelmäßig und mit einer gewissen Intensität in die Tat um, hat sich der gute Vorsatz in Gewohnheit verwandelt. Von da an fällt es einem leichter und es beginnt Freude zu machen.


Der User benennt zunächst seine individuellen Vorsätze (z.B. täglich mit dem Rad zur Arbeit fahren, mehr Obst und Gemüse essen oder pünktlich aufstehen) und wettet, dass er sein Ziel in den nächsten zehn Wochen konsequent und mit einer festgelegten Intensität umsetzt. Gleichzeitig legt er Belohnung und Strafe für Erfolg und Misserfolg seiner Challenge fest.


Um seine Aktivitäten besser kontrollieren zu können, lädt der Nutzer andere Personen als Unterstützer ein, ihm bei seinem Ziel zur Seite zu stehen. Durch die so hervorgerufene soziale Kontrolle wird das Verhalten des Users positiv beeinflusst. Das motivierende Feedback-System hilft dem Anwender dabei, zielstrebig zu bleiben. Trainingsfortschritte und –ausfälle dokumentiert er in seinem persönlichen Profil. Damit werden Erfolge und Misserfolge für die Gemeinschaft transparent.
Movingo zahlt sich nicht nur auf sportlicher Ebene aus, auch Teambuilding und soziale Kompetenz werden gefördert.


Persönliche Level und individualisierte Reminder sorgen dafür, dass jeder Teilnehmer – entsprechend seinen Möglichkeiten – das Programm nutzen kann.


Movingo kann noch mehr


Bei movingo handelt es sich um eine „social health management platform”. Die intuitive Benutzeroberfläche ist aber nicht nur für Privatpersonen geeignet. Auch Unternehmen, deren Mitarbeiter und Kunden, können von dem Programm profitieren.
Die Webseite lässt sich nicht nur für sportliche Vorsätze nutzen. Movingo kann für sämtliche Vorhaben eingesetzt werden, die vom Gamification-Faktor profitieren. Die individuelle Anpassbarkeit und der weltweite Zugriff – selbst über mobile Geräte – garantieren einen großzügigen Gestaltungsspielraum.

Sie haben Fragen zu movingo oder Gamification? Fragen Sie uns. Wir beraten Sie gern.

Montag, 3. November 2014

Revolutioniert das eHealth-Gesetz das deutsche Gesundheitswesen?

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IT-Anwendungen im Health-Bereich besitzen hohes Potenzial – das bisher wenig genutzt wird


Noch in diesem Jahr will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) das neue eHealth-Gesetz auf den Weg bringen. Bislang lässt der Datenaustausch im Gesundheitswesen zu wünschen übrig – hier sollen die neuen Richtlinien Abhilfe schaffen.

Mehr als fünf Millionen Menschen sind im deutschen Gesundheitswesen beschäftigt – Tendenz steigend – auch weil die Informationstechnologie an Bedeutung gewonnen hat. Ein Potenzial, dass der Minister nachhaltig mit einem Dekret fördern will.

Digitalisierung des Gesundheitswesens voran treiben


Acht Jahre ist es her, dass unter Selbstverwaltung der Ärzte die elektronische Gesundheitskarte (eGK) auf den Weg gebracht wurde – und noch immer verfügen nicht alle Versicherten über eine eGK. Auch die bereits damals geplanten eHealth-Anwendungen sind nach wie vor nicht verfügbar. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die Reißleine ziehen. Das neue eHealth-Gesetz soll das deutsche Gesundheitssystem revolutionieren und die jahrelangen Auseinandersetzungen beenden. Sorgen um Datenschutz und Ökonomisierung der medizinischen Versorgung stehen aktuell auf dem Prüfstand.


eHealth-Potenzial längst nicht ausgeschöpft


Die Telemedizin bietet Ärzten die Möglichkeit, gerade chronisch kranke Menschen unabhängig von Praxisort und Öffnungszeiten medizinisch zu überwachen. Sprechstundentermine werden reduziert und im Notfall kann schneller reagiert werden. Auch ältere Menschen können profitieren – nämlich dann, wenn sie durch eHealth länger ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden führen. Auch im Krankenhaus hat der „Virtual doctor“ entscheidende Vorteile. Gerade im ländlichen Bereich, wo Fachärzte rar sind und immer mehr Praxen schließen, können mittels Telemedizin Expertisen von Spezialisten eingeholt werden. Dank moderner Videokonferenzlösungen gelangt der Patient via Internet zum weit entfernten Spezialisten. Dadurch kann in kleineren Kliniken die Regelversorgung aufrechterhalten werden. Krankenhäuser nutzen dieses System auch, um Befunde mit Fachkollegen auszuwerten und Zweitmeinungen einzuholen – das spart Kosten und Zeit.

eHealth-Gesetz als Grundlage für den optimalen Informationsaustausch


Die Informationstechnologie im Gesundheitswesen bietet unzählige Möglichkeiten, die es in Zukunft noch stärker zu nutzen gilt. Das geplante eHealth-Gesetz soll die gesetzliche Grundlage schaffen, dass Daten, die auf telemedizinischer Basis erhoben, auch genutzt werden können. Das Bundesgesundheitsministerium will damit Anreize für eine Integration der medizinischen Anwendungen schaffen. Dazu gehören die elektronische Bereitstellung von Notfalldaten, die Einführung eines „eMedikationsplans“ und die Verbesserung des Informationsaustausches zwischen den mehr als 200 verschiedenen IT-Systemen im Gesundheitswesen. Auch der Ausbau, der vom Bundesministerium für Gesundheit gegründeten eHealth-Initiative, soll begleitend zum neuen eHealth-Gesetz vorangetrieben werden – damit sinnvolle Anwendungen schneller ihren Weg in die Praxen und Krankenhäuser finden.

Bundesgesundheitsminister Gröhe will mit dem neuen Gesetz nicht nur den Ärzten die Arbeit erleichtern, sondern auch den Datenfluss im Gesundheitswesen verbessern. Oftmals sind die Software-Systeme von niedergelassenen Ärzten untereinander nicht kompatibel – auch innerhalb einer Klinik-Gruppe können Dokumente mitunter nicht ausgetauscht werden, weil die Abteilungen mit unterschiedlichen Systemen arbeiten. Ein Zustand, den es schnellstens zu beheben gilt.

Elektronischer Arztbrief als erster Schritt


Mit gutem Beispiel geht unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) voran, die gerade den elektronischen Arztbrief bei 300 Ärzten einem Praxischeck unterzieht. Das einheitliche System ist dabei mit den unterschiedlichen Praxissystemen der Mediziner kompatibel. Um die Interoperabilität zu gewährleisten, enthält der neue eArztbrief Informationen in der Kopfzeile sowie ein nicht veränderbares PDF. In der nächsten Stufe soll das Dokument direkt in die Patientenakte einfließen, damit die Daten schneller abgerufen werden können.

Jährlich sterben schätzungsweise 80.000 Menschen, weil lebensrettende Informationen nicht verfügbar sind. Auch fehlende Informationen zu Arzneimitteltherapien, Allergien und Unverträglichkeiten führen immer wieder zum Tod. Künftig sollen all diese Daten – auf freiwilliger Basis – auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden.

Offene Fragen erschweren Umsetzung


Bislang gibt es noch viele Unklarheiten – gerade was den elektronischen Arztbrief betrifft. Sicherheit, Verlässlichkeit, Kompatibilität sind da nur Randnotizen. Vielmehr geht es um die Frage, welche Daten wo und wie gespeichert werden (müssen). Auch die Frage der Fernbehandlung steht im Raum. Die ausschließliche Fernbehandlung ist laut Gesetzgeber verboten. Doch welche Abstufungen sind möglich? Der Mix könnte in Zukunft entscheidend sein, um Kosten und Zeit zu sparen. Schließlich muss nicht jeder Kontakt mit dem Arzt im Sprechzimmer stattfinden, vielmehr können bestimmte Problemstellungen auch per gesichertem Audio-Video-Kontakt, beispielsweise über vkonferenz, stattfinden.
Wer wann wo und wie mit dem Patienten kommunizieren kann und darf, ist gerade für die IT-Entwickler entscheidend, um entsprechende Angebote zu konzipieren. Hier gilt es klare Vorgaben zu schaffen – zügig und mit Augenmaß.

Mit dem neuen eHealth-Gesetz sollen alle Beteiligten im Gesundheitswesen so miteinander verbunden werden, dass sie die für die Behandlung wichtigen medizinischen Informationen schnell und unbürokratisch austauschen können. Neben einer sicheren Technik sind dafür vor allem allgemein verbindliche, inhaltliche und technische Standards nötig – ebenso wie klare datenschutzrechtliche Vorgaben.

Elektronische Gesundheitskarte nur der Anfang


Künftig soll der behandelnde Arzt über die eGK schnell und unkompliziert Informationen über Vorerkrankungen oder Medikation abrufen können – die der Patient zuvor freiwillig speichern lassen kann. Ziel ist es, erneute zeit- und kostenintensive Diagnostik zu vermeiden. Ob das Auslesen sämtlicher vorangegangener medizinischer Daten jedem Patienten gefallen wird, ist fraglich. Doch nicht nur Patienten fürchten die Transparenz, die eHealth mit sich bringt – auch einzelne Ärzte und Vertreter der Pharmaindustrie können dem Projekt wenig abgewinnen, schließlich werden dadurch teure Doppelverordnungen erschwert.
Im Hinblick auf Kostenerstattung wächst auch die Angst vor Kostenvergleichen. Werden künftig nur noch günstige Therapien verordnet? Das Gesetz muss darauf Antworten geben.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie rechnet nach aktuellen Studien durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht nur mit mehr Effizienz und einem enormen Wachstumspotenzial – auch eine Kostenersparnis von zehn Milliarden Euro pro Jahr könnten die Krankenkassen entlasten.

Praktische Fragen, wie Rechtsgrundlagen von Kooperationen, Finanzierung und telemedizinische Behandlungsstandards in der Regelversorgung müssen noch vor der Gesetzesinitiative geklärt werden. Bislang werden eHealth Leistungen nur im Rahmen von Projekten mit Sonderfinanzierung angeboten – eine einheitliche Abrechnung gibt es nicht.


Sie haben Fragen zum Thema eHealth? Sie planen eHealth-Anwendungen in ihrem Unternehmen? Sprechen Sie uns an!

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