Montag, 3. November 2014

Revolutioniert das eHealth-Gesetz das deutsche Gesundheitswesen?

Gesundheit 2.0 ist umgezogen! Neue Beiträge finden Sie jetzt hier: https://www.symeda.de/blog/


IT-Anwendungen im Health-Bereich besitzen hohes Potenzial – das bisher wenig genutzt wird


Noch in diesem Jahr will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) das neue eHealth-Gesetz auf den Weg bringen. Bislang lässt der Datenaustausch im Gesundheitswesen zu wünschen übrig – hier sollen die neuen Richtlinien Abhilfe schaffen.

Mehr als fünf Millionen Menschen sind im deutschen Gesundheitswesen beschäftigt – Tendenz steigend – auch weil die Informationstechnologie an Bedeutung gewonnen hat. Ein Potenzial, dass der Minister nachhaltig mit einem Dekret fördern will.

Digitalisierung des Gesundheitswesens voran treiben


Acht Jahre ist es her, dass unter Selbstverwaltung der Ärzte die elektronische Gesundheitskarte (eGK) auf den Weg gebracht wurde – und noch immer verfügen nicht alle Versicherten über eine eGK. Auch die bereits damals geplanten eHealth-Anwendungen sind nach wie vor nicht verfügbar. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die Reißleine ziehen. Das neue eHealth-Gesetz soll das deutsche Gesundheitssystem revolutionieren und die jahrelangen Auseinandersetzungen beenden. Sorgen um Datenschutz und Ökonomisierung der medizinischen Versorgung stehen aktuell auf dem Prüfstand.


eHealth-Potenzial längst nicht ausgeschöpft


Die Telemedizin bietet Ärzten die Möglichkeit, gerade chronisch kranke Menschen unabhängig von Praxisort und Öffnungszeiten medizinisch zu überwachen. Sprechstundentermine werden reduziert und im Notfall kann schneller reagiert werden. Auch ältere Menschen können profitieren – nämlich dann, wenn sie durch eHealth länger ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden führen. Auch im Krankenhaus hat der „Virtual doctor“ entscheidende Vorteile. Gerade im ländlichen Bereich, wo Fachärzte rar sind und immer mehr Praxen schließen, können mittels Telemedizin Expertisen von Spezialisten eingeholt werden. Dank moderner Videokonferenzlösungen gelangt der Patient via Internet zum weit entfernten Spezialisten. Dadurch kann in kleineren Kliniken die Regelversorgung aufrechterhalten werden. Krankenhäuser nutzen dieses System auch, um Befunde mit Fachkollegen auszuwerten und Zweitmeinungen einzuholen – das spart Kosten und Zeit.

eHealth-Gesetz als Grundlage für den optimalen Informationsaustausch


Die Informationstechnologie im Gesundheitswesen bietet unzählige Möglichkeiten, die es in Zukunft noch stärker zu nutzen gilt. Das geplante eHealth-Gesetz soll die gesetzliche Grundlage schaffen, dass Daten, die auf telemedizinischer Basis erhoben, auch genutzt werden können. Das Bundesgesundheitsministerium will damit Anreize für eine Integration der medizinischen Anwendungen schaffen. Dazu gehören die elektronische Bereitstellung von Notfalldaten, die Einführung eines „eMedikationsplans“ und die Verbesserung des Informationsaustausches zwischen den mehr als 200 verschiedenen IT-Systemen im Gesundheitswesen. Auch der Ausbau, der vom Bundesministerium für Gesundheit gegründeten eHealth-Initiative, soll begleitend zum neuen eHealth-Gesetz vorangetrieben werden – damit sinnvolle Anwendungen schneller ihren Weg in die Praxen und Krankenhäuser finden.

Bundesgesundheitsminister Gröhe will mit dem neuen Gesetz nicht nur den Ärzten die Arbeit erleichtern, sondern auch den Datenfluss im Gesundheitswesen verbessern. Oftmals sind die Software-Systeme von niedergelassenen Ärzten untereinander nicht kompatibel – auch innerhalb einer Klinik-Gruppe können Dokumente mitunter nicht ausgetauscht werden, weil die Abteilungen mit unterschiedlichen Systemen arbeiten. Ein Zustand, den es schnellstens zu beheben gilt.

Elektronischer Arztbrief als erster Schritt


Mit gutem Beispiel geht unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) voran, die gerade den elektronischen Arztbrief bei 300 Ärzten einem Praxischeck unterzieht. Das einheitliche System ist dabei mit den unterschiedlichen Praxissystemen der Mediziner kompatibel. Um die Interoperabilität zu gewährleisten, enthält der neue eArztbrief Informationen in der Kopfzeile sowie ein nicht veränderbares PDF. In der nächsten Stufe soll das Dokument direkt in die Patientenakte einfließen, damit die Daten schneller abgerufen werden können.

Jährlich sterben schätzungsweise 80.000 Menschen, weil lebensrettende Informationen nicht verfügbar sind. Auch fehlende Informationen zu Arzneimitteltherapien, Allergien und Unverträglichkeiten führen immer wieder zum Tod. Künftig sollen all diese Daten – auf freiwilliger Basis – auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden.

Offene Fragen erschweren Umsetzung


Bislang gibt es noch viele Unklarheiten – gerade was den elektronischen Arztbrief betrifft. Sicherheit, Verlässlichkeit, Kompatibilität sind da nur Randnotizen. Vielmehr geht es um die Frage, welche Daten wo und wie gespeichert werden (müssen). Auch die Frage der Fernbehandlung steht im Raum. Die ausschließliche Fernbehandlung ist laut Gesetzgeber verboten. Doch welche Abstufungen sind möglich? Der Mix könnte in Zukunft entscheidend sein, um Kosten und Zeit zu sparen. Schließlich muss nicht jeder Kontakt mit dem Arzt im Sprechzimmer stattfinden, vielmehr können bestimmte Problemstellungen auch per gesichertem Audio-Video-Kontakt, beispielsweise über vkonferenz, stattfinden.
Wer wann wo und wie mit dem Patienten kommunizieren kann und darf, ist gerade für die IT-Entwickler entscheidend, um entsprechende Angebote zu konzipieren. Hier gilt es klare Vorgaben zu schaffen – zügig und mit Augenmaß.

Mit dem neuen eHealth-Gesetz sollen alle Beteiligten im Gesundheitswesen so miteinander verbunden werden, dass sie die für die Behandlung wichtigen medizinischen Informationen schnell und unbürokratisch austauschen können. Neben einer sicheren Technik sind dafür vor allem allgemein verbindliche, inhaltliche und technische Standards nötig – ebenso wie klare datenschutzrechtliche Vorgaben.

Elektronische Gesundheitskarte nur der Anfang


Künftig soll der behandelnde Arzt über die eGK schnell und unkompliziert Informationen über Vorerkrankungen oder Medikation abrufen können – die der Patient zuvor freiwillig speichern lassen kann. Ziel ist es, erneute zeit- und kostenintensive Diagnostik zu vermeiden. Ob das Auslesen sämtlicher vorangegangener medizinischer Daten jedem Patienten gefallen wird, ist fraglich. Doch nicht nur Patienten fürchten die Transparenz, die eHealth mit sich bringt – auch einzelne Ärzte und Vertreter der Pharmaindustrie können dem Projekt wenig abgewinnen, schließlich werden dadurch teure Doppelverordnungen erschwert.
Im Hinblick auf Kostenerstattung wächst auch die Angst vor Kostenvergleichen. Werden künftig nur noch günstige Therapien verordnet? Das Gesetz muss darauf Antworten geben.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie rechnet nach aktuellen Studien durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht nur mit mehr Effizienz und einem enormen Wachstumspotenzial – auch eine Kostenersparnis von zehn Milliarden Euro pro Jahr könnten die Krankenkassen entlasten.

Praktische Fragen, wie Rechtsgrundlagen von Kooperationen, Finanzierung und telemedizinische Behandlungsstandards in der Regelversorgung müssen noch vor der Gesetzesinitiative geklärt werden. Bislang werden eHealth Leistungen nur im Rahmen von Projekten mit Sonderfinanzierung angeboten – eine einheitliche Abrechnung gibt es nicht.


Sie haben Fragen zum Thema eHealth? Sie planen eHealth-Anwendungen in ihrem Unternehmen? Sprechen Sie uns an!

Häufig gelesene Einträge

TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogtotal