Dienstag, 19. August 2014

Gamification: Spannung, Spiel und Arbeit - Teil 1 von 4

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Überblick:


Teil 1: Gamification: Spannung, Spiel und Arbeit
Teil 2: Die Theorie des Spiels oder warum spielen für uns so wichtig ist
Teil 3: Spielend in die Zukunft
Teil 4: Das Leben ist ein großes Spiel


Wie auf spielerische Art seriöse Tätigkeiten und Ziele umgesetzt werden können


Alt gediente Marketingmaßnahmen, wie die klassische Printanzeige oder der Werbespot, reichen längst nicht mehr aus, um den Kunden an ein Produkt zu binden. Neue Ideen müssen her, um Nutzungsanreize zu schaffen. Das Zauberwort heißt „Gamification“. Durch Einsatz spieltypischer Elemente wie Regeln, Ranglisten, Punkte und Preise sollen persönliche Verhaltensweisen und Motivation positiv beeinflusst werden, um komplexe, unliebsame, langweilige oder schwierige Aufgaben zu meistern. Da sich Menschen von Natur aus gern mit anderen messen, macht Gamification die Problematik interessanter.
Durch die ausgeprägte Social Media-Komponente können sich Interessengruppen unabhängig von Standort und Zeit miteinander verbinden und gesetzte Ziele einzeln oder im Verband in einem unterhaltsamen digitalen System verfolgen.

Gamification als psychologischer Prozess


Gamification funktioniert dann, wenn Menschen durch äußere Anreize (positive Beeinflussung) etwas tun, was sie sonst nicht oder nur widerwillig tun würden. Um den Erfolg auch langfristig zu garantieren, muss die „extrinsische“ Motivation (Anerkennung und Erfolg von außen) durch den „intrinsischen“ Ansporn (eine Sache ihrer selbst willen zu tun) ersetzt werden. Wenn beispielsweise regelmäßiger Sport zur Gewichtsreduktion führt, bedeutet das langfristig, dass der Teilnehmer gesünder lebt und die Lebenserwartung steigt.

Gamification als Kundenbindungsmaßnahme


Egal ob der Supermarkt bei jedem Einkauf Sammelpunkte ausgibt, die später gegen eine Prämie eingelöst werden können oder das Fast-Food-Restaurant auf seinen Produktverpackungen Monopoly-Spielkarten versteckt, die dann mit etwas Glück den großen Gewinn bringen – diese simplen Marketingmaßnahmen sind nichts weiter als Gamification. Klassische Spielmechanismen wie Wettbewerb, Belohnung, soziale Interaktion, Regelwerke und Zeitdruck führen dazu, dass der Jäger und Sammler in uns geweckt wird.

Motivation oder Manipulation?


Menschen spielen aus Spaß an der Freude oder mit der Hoffnung, am Ende als Sieger hervor zu gehen. Gut gemachte Gamifizierungs-Projekte können diese Reize auch erfüllen. Jedoch entgegnen Kritiker, dass es dabei um Manipulation geht. Schließlich sollen Menschen in ihrem Verhalten beeinflusst werden – mitunter gegen ihre Gewohnheiten. Das kann positiv sein, wenn alt eingesessene negative Gepflogenheiten zum Guten verändert werden. Solange ein Zustand von den Spielern selbst gewünscht und der Beeinflussungsprozess transparent ist, sowie nicht zum Nachteil führt, ist gegen Gamification nichts einzuwenden. Ein negatives Beispiel wäre, wenn das System dazu eingesetzt wird, die gesteigerte Produktivität des Teilnehmers auszunutzen.

Gamification im Gesundheitswesen


Gamification-Elemente können in verschiedenen Szenarien interessante Effekte auslösen. Das Gesundheitswesen profitiert vom Einsatz spielerischer Elemente, da sie den Patienten animieren, an seinem Genesungsprozess aktiv mitzuarbeiten. Bei chronischen Krankheiten, Altersdemenz, Rauchentwöhnung, Übergewicht oder ADHS fördert Gamification zum Beispiel Geduld, Spaß, Motivation, Partizipation, Therapietreue und Prävention.


Welche Spielmechaniken kommen im Gesundheitswesen zum Einsatz?

1. Belohnung, Feedback
Der Mensch ist von Natur aus ungeduldig. Ergebnisse müssen sofort sichtbar sein, damit er am Ball bleibt und ein Lerneffekt einsetzt. Motivation setzt auch beim Feedback durch andere Spieler ein. Menschen suchen in ihrem Umfeld nach Bestätigung für ihr Handeln.

2. Aufgabe, Ziel, Abwechslung, Spaß
Die Spielerfahrung soll fesseln, Herausforderungen müssen ausbalanciert und das Ziel erreichbar sein. Um möglichst langfristig motiviert zu bleiben, braucht der Spieler kurzfristige Ergebnisse. Teilziele verursachen weniger Frustration.

3. Sinn
Abstrakte Aufgaben ohne Sinn demotivieren. Eine spannende Problematik aus dem eigenen Erfahrungsbereich lässt sich leichter abarbeiten.

4. Wettbewerb, Vergleich, Gewinn
Konkurrenzdruck, Wettbewerbe und Vergleiche mit anderen beflügeln und spornen den Spieler an, noch bessere Leistungen zu bringen. Das Messen in der Gruppe stärkt den Durchhaltewillen.

5. Schwierigkeitsgrad
Damit kognitive Fähigkeiten nicht überlastet werden, muss der Schwierigkeitsgrad langsam steigen. Leichte Aufgaben zu Anfang und komplexere Problematiken in höheren Levels – solang der Spieler im eigenen Tempo agiert, bleibt der Frustrationsgrad gering.

6. Neugier
Der Mensch ist von Natur aus ein Spieler und Entdecker. Neue Erkenntnisse spannend verpackt, hält die Motivation aufrecht.

7. Teambildung, sozialer Status, Kooperation
Der Mensch fühlt sich in der Gemeinschaft am wohlsten. Gleiche Voraussetzungen und Interessen führen dazu, dass eine Gruppendynamik entsteht. Durch die Stärken der Einzelnen werden Lösungen zu gemeinsamen Problemen leichter gefunden. Gegenseitige Motivation hält die Mitglieder im Spiel.

8. Sammeln, Tauschen
Der Mensch als Jäger und Sammler. Immer genau das zu haben, was ein anderer auch besitzt, spornt den Spieler zu neuen Höchstleistungen an und die Motivation steigt. Im Tausch kann der eigene Besitz optimiert werden.

9. Punkte, Rangliste
Ranglisten und Punkte geben an, wo ein Spieler mit seinem Leistungsvermögen im direkten Vergleich zu anderen steht. Die Aufschlüsselung nach Übungseinheiten zeigt dem Teilnehmer zusätzlich seine Trainingsfortschritte.

10. Zeit
Zeitdruck führt zu Kreativität und Produktivität. Durch feste Zeitvorgaben kommt der Spieler schneller zu einer Lösung.

Gamification und Sport – die perfekte Symbiose


Im Sportbereich besitzt Gamification das Potenzial, dem inneren Schweinehund auf die Sprünge zu helfen – denn der torpediert nur allzu gern sämtliche Trainingseinheiten. Werden Engagement und Motivation für eine Aufgabe geweckt, sind Trägheit und Unmut schnell vergessen. In der Gruppe geteilte und verglichene Trainingsfortschritte führen zu Konkurrenzdruck, der den Nutzer zum Weitermachen bewegt. Das direkte Feedback von Gleichgesinnten steigert die Motivation zusätzlich.

Besonders Aufgaben mit Wetteinsätzen sind für Spieler attraktiv, da die Wettbewerbskomponente gepaart mit der Aussicht auf Belohnung (Preis, Ansehen in der Gruppe etc.) einen enormen Anreiz bieten, als Gewinner aus dem Spiel hervor zu gehen.


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