Donnerstag, 15. August 2013

Quantified Self - der Trend zur Selbstvermessung

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Der Trend aus den USA: Die Vermessung des Ichs


10km, durchschn. 5:40 min/km, 593,7kcal.

Self-Tracking heißt der Trend, bei dem möglichst alles gemessen und in Zahlen gefasst wird. Sich selbst zu vermessen, eigene Leistungen in Ziffern darzustellen und auf Grundlage dessen Ziele zu setzen und sich selbst zu verbessern ist gewiss nicht neu. Pulsuhren, Schrittzähler oder die klassische Waage gibt es nicht erst seit gestern.

Neuer jedoch ist die Möglichkeit, alle aufgezeichneten Daten mühelos zu digitalisieren, zu veröffentlichen und mit anderen zu teilen.

  • eine Körperwaage, die täglich das Gewicht twittert,
  • eine App, die die neusten Lauf-Statistiken bei Facebook veröffentlicht oder
  • ein E-Book-Reader, der der Welt zeigt, welche Lesefortschritte der Nutzer im aktuellen Buch macht.

Das sind nur Beispiele für Self-Tracking-Anwendungen und -Technologien, die die eigenen Tätigkeiten messen, um anschließend Eigen- und auch Fremdbeurteilung zu ermöglichen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Sie schon einmal von einem dieser Beispiele gehört haben. Denn immer häufiger wird das Thema auch von den Medien aufgegriffen.

Sicherlich am populärsten: Apps wie Runtastic oder Endomondo, die auf dem Smartphone die Joggingstrecke und alle zugehörigen Werte wie Geschwindigkeit oder Kalorienverbrauch aufzeichnen und daraus Statistiken erstellen.

Der Self-Tracking-Trend: messen, analysieren und teilen

„Self knowledge through numbers“

Sich selbst durch Zahlen besser kennenlernen, so das Motto des 2007 von den Journalisten Gary Wolf und Kevin Kelly gegründeten Netzwerkes „Quantified Self“. Weltweit vernetzen sich hier Anwender und Entwickler des Self-Trackings. Die Zahl der Interessenten steigt kontinuierlich an, sodass Mitglieder des Netzwerkes regelmäßig zusammenkommen, um sich über Fortschritte und Erfahrungen mit der Selbstvermessung auszutauschen.

„Quantified Self ist wie eine Art Spiegel, um sich selbst darin zu erkennen und sich zu verbessern“ (Gary Wolf, Gründer von Quantified Self)

Auch im deutschsprachigen Raum entstand im Jahre 2012 ein Ableger der Bewegung. Insbesondere durch den Blogger Florian Schumacher initiiert und belebt, wachsen das Interesse und damit die hiesige Szene um Quantified Self stetig. Bereits in acht großen Städten, darunter Hamburg und München, gibt es Quantified Self Gruppierungen, die auf regelmäßigen Meet-Ups, sogenannten "Show and Tells", Self-Tracking-Erfahrungen und Ergebnisse eigener Tracking-Projekte austauschen.

Was macht das Thema auf einmal so populär?

Eigene Leistungen aufzuzeichnen, um durch den Abgleich mit persönlichen Zielen Motivation und Ansporn zu steigern, ist eine gute Möglichkeit, sich selbst zu verbessern und nächsthöhere Ziele zu erreichen. Durch die zunehmende Verfügbarkeit von Smartphones und der damit verbundenen permanenten Vernetzung wird es leichter, bei allen Aktivitäten Messungen durchzuführen und Werte mit anderen auszutauschen. Der Anbieter der Sport-Tracking-App Runtastic spricht hier nicht nur von neutralen Daten, sondern viel mehr gezielt von „Erfolgen“, die der Nutzer analysieren und mit der Community teilen kann. Und dieses Teilen ist ein wesentlicher Faktor für die steigende Popularität von Quantified Self.

Hinzu kommt, dass auch die Sensortechnik immer leistungsfähiger, mobiler und günstiger wird. Dadurch werden die Selbstvermessungstechnologien erschwinglich und vor allem Massentauglich. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um eine große Community zu bilden und stetig zu wachsen. Das Smartphone wird zum Messgerät durch integrierte GPS-Sender oder Kameras – gegebenenfalls unterstützt durch optionales Zubehör, wie Pulsmesser oder Schrittzähler.

Globaler Gesamtverlauf der Suchanfragen bei Google zu "Quantified Self"


Nicht nur ein Hobby

Hochleistungssportler einmal ausgenommen, ist Self-Tracking für viele Menschen ein Hobby:

  • Das Aufzeichnen der Leistung beim Radfahren,
  • das Analysieren des persönlichen Tagesablaufes oder
  • das Messen des eigenen Schlafverhaltens.

Doch für manche Menschen gehört es zu den Pflichten des Alltags: Diabetiker. Das Messen und Aufzeichnen von Blutzuckerwerten, Insulin, Nahrungsmitteln, Aktivitäten, oder Körpergewicht ist mitunter lebenswichtig.

Durch kontinuierliche Entwicklung von Anwendungen und Technologien nicht zuletzt durch die Bewegung um Quantified Self wird der Alltag von vielen Diabetikern und anderen chronisch erkrankten Menschen deutlich erleichtert.

Sicherheit

Quantified Self ist eine Bewegung, die sich weltweit aus der Selbstvermessung von Spitzensportlern und chronisch Erkrankten abgeleitet hat. Self Tracking ist dabei heute meist eine Methode zur Verbesserung des eigenen Wohlbefindens, Steigerung der eigenen Leistung oder der reinen Dokumentation des Fortschritts. Dass die Tracking-Daten dabei oftmals veröffentlicht und mit anderen geteilt werden, stellt sicher einen fragwürdigen Punkt dar, der viele Datenschützer aufhorchen lässt.

Abhängig von der Sensibilität der Daten muss sich die Frage der Gewährleistung von Datensicherheit gestellt werden, insbesondere, wenn es um gesundheitsbezogene Daten geht. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Verbreitung von Quantified Self hierzulande bisher noch nicht in dem Tempo voranschreitet, das der amerikanische Raum vorlegt.

Gute Aussichten

Forscher sehen aber durchaus einen anhaltenden Trend mit Potenzial für die Zukunft. Dies zeigt auch die vermehrte Entwicklung von mobilen Sensoren, wie etwa Armbändern für die Aufzeichnung und Veröffentlichung von Tracking-Daten zu jedem Zeitpunkt (z.B. fitbitJaweboneUP oder Nike+ Fuelband). Besonders interessant könnte dieser Trend für das Gesundheitswesen und besonders die Entwicklung und den Umgang mit chronischen Erkrankungen sein.

Und Sie?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Nutzen Sie Self-Tracking Apps wie runtastic oder SportsTracker auf Ihrem Smartphone?

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